Salomon Skyrun Südafrika

“skyrun“

Als Wilderness Run wird der Skyrun angepriesen und das trifft es ganz gut, denn mindestens die Hälfte der Zeit gibt es überhaupt keine Trails, und wenn es welche gibt, dann sind sie jedenfalls schwer zu finden, nicht markiert und überhaupt von recht rauer Natur. Immerhin, fast achtzig zu allem entschlossene Läufer stehen morgens um 4 in dem verschlafenen Westernstädtchen Lady Grey bereit, die Herausforderung anzunehmen. In der Hand eine Karte im Maßstab 1:50.000, in der Organisator Adrian Saffy in blassem Orange die vermeintlich ideale Route und die acht Checkpoints eingezeichnet hat. 51 werden das Ziel erreichen, nur knapp 20 davon laufen die Strecke in einem durch und kommen bis zum frühen Sonntagmorgen an, die anderen übernachten am Fuss der berüchtigten Balloch Wall und starten um 4 Uhr am nächsten Tag zur zweiten Hälfte.

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RÜCKENWIND UND SCHWARZE FÜSSE

Ein guter Start und die ersten Kratzer
Vom Start weg geht es erst einmal auf 2400m hoch, durch die Nacht. Ich habe mir den ersten Berg am Tag vorher angesehen und bin als zweiter oben am ersten Checkpoint. Dann geht die Navigation los und es ist gar nicht so schlecht, dass mich eine schnelle Vierergruppe mit dem Sieger der letzten 5 (!) Jahre einholt – wer hier den Weg kennt ist eindeutig im Vorteil. Er würde allerdings auch wissen, dass nun bald das erste echte Hindernis kommt, der erste von unzähligen Zäunen, zur Einstimmung gleich ein richtig hoher, 1m80 etwa – und natürlich Stacheldraht! Als die anderen anfangen drüber zu klettern, wie Zuchthäusler auf der Flucht, suche ich erst noch nach einem einfacheren Durchgang. Der Neuling lernt aber schnell und schmerzhaft, dass nur der direkte Weg auf die andere Seite führt und das bestätigt sich auch in den nächsten Stunden wiederholt. Die ersten Kilometer sind noch von Wolken und Rückenwind geprägt, sodass es nicht zu heiss wird. Gegen Mittag ist dann aber Schluss mit dem Schonprogramm: gnadenlos brennt die Sonne. Die Einheimischen waren sich zwar später einig, dass es eigentlich recht angenehm war, aber für einen Mitteleuropäer, der normalerweise Schnee schippen sollte, ist es ein ganz schöner Hammer, und ich trinke während des ganzen Rennes etwa 11 einhalb Liter… Nach zehn Stunden, am PC 5 setze ich mich zum ersten Mal hin und ziehe die Schuhe aus. Zum Vorschein kommen komplett schwarze Füsse. Der schwarze Basalt-Sand füllt mit der Zeit Schuhe und Socken wie nach einem Spaziergang am Strand und das feine Pulver verbindet sich mit dem Schweiss zu einer klebrigen Masse, auf der man nicht noch weitere 10 Stunden rumtrampeln möchte. Die ersten aufgeriebenen Stellen und ziemlich mitgenommene Fussballen sind schon zu beklagen, aber angesichts der unwegsamen Strecke hält alles ganz gut durch.

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Unendliche weiten……

… aber von neuem Leben keine Spur. Zivilisation ist nicht in Sicht, 360° Wildnis, Täler, Berge, Canyons, Himmel! An den wenigen Wasserstellen muss ich immer alles auffüllen, man weiss nie wann die nächste kommt. Die Etappen zwischen den Checkpoints sind lang und die Läufer inzwischen überall über die Strecke verteilt. Mir folgt einer wie ein Schatten mit schwankendem Abstand, und überlässt mir die Navigation. Ich finde nach längerem Vergleich der Karte mit den Bergen rechts und Tälern links sogar den schwierigsten, auf dem 2700m hohen Avoca Peak auf Anhieb. Voller Enthusiasmus geht es weiter über einen steilen Grat, der – natürlich – von einem Zaun in der Mitte geteilt wird. Ich entschliesse mich für dir linke Seite, weil man so weniger Höhe verliert. das sollte sich als Fehler erweisen, denn ich komme zu einer 10m Stufe, und muss nun schon wieder, fluchend, den Zaun überqueren.. Während ich noch, mich mit Händen und Füssen gegen die Gravitation wehrend, im Zaun hängend einen Felsblock nach dem anderen runterklettere, rennt ein paar Meter weiter unten auf der Wiese ein Typ vorbei, ganz ohne Kletterei! Noch mehr Flüche… Der war offenbar schon mal hier, nächstes Jahr nehme ich oben auch den rechten Weg!!!

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Blutige Zäune

Ein Rennen für Ausbrecherkönige
Wenn man aus Europa kommt, ist man nur unzureichend vorbereitet auf eine immer wiederkehrende Hürde, die so manchen Skyrunner die letzten Nerven und fast jeden allerhand Blut und Hautfetzen kostet: Durch die unendlichen Weiten ziehen sich ebenso unendliche Weidezäune, welche die Gebiete der einzelnen Farmen von einander abgrenzen. Mindestens 40 mal musste ich solch einen Zaun überqueren, häufig sind sie 1m80 hoch, manchmal schräg überhängend, aber immer bestehen sie aus rostigem Stacheldraht. Manchmal gibt es eine Art Tor, aber meist trifft man den Zaun inmitten der Wildnis an, und die einzige Möglichkeit, ihn zu überqueren ist das Klettern. Nach dem zweiten Zaun und den ersten blutigen Schrammen habe auch ich meine Handschuhe rausgeholt. Ab jetzt sind sie immer griffbereit neben einer der vorderen Trinkflaschen und eine typische Handbewegung des Skyrunners ist das mal entschlossene, mal resignierte Anziehen der Handschuhe, wenn mal wieder so ein Teil vor einem auftaucht. Ein Zaun stand mir nachts im Weg, der sogar den Fluss überquerte, und in einer Art Navy Seals – Aktion musste ich erst den Rucksack, dann die Stirnlampe zwischen den Stacheldrahtseilen durchschieben, um dann selber durch-zukriechen, ohne dabei oben oder unten hängen zu bleiben, oder mit den Füssen im Maschendrahtzaun festzustecken, der bis in‘s Wasser gebaut war, geschweige denn ohne selber im Wasser zu landen. Im Nachhinein amüsant waren die Gespräche mit anderen Läufern am folgenden Tag, von denen manche in derselben Nacht an einen elektrifizierten Zaun geraten waren… an einer Stelle wo ich ein paar hundert Meter weiter einfach durch ein Tor marschiert war…

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Balloch Wall

Berüchtigt, weil nämlich wirklich steil wie eine Wand, steht die Balloch Wall nach etwa zwei Drittel der Strecke als heftiges Hindernis im Weg. Am Fuss ist PC 6 und gleichzeitig auch die Gelegenheit für alle, die sich die ganze Strecke entweder nicht zutrauen, oder die zu spät ankommen, zu übernachten. Grundsätzlich wird allen, die zum ersten Mal dabei sind, geraten, hier Pause zu machen. Ich habe aber in der vergangenen Woche einige heikle Stellen der Nachtetappe schon gescoutet und denke nicht daran, anzuhalten. Trockene Socken angezogen, warme Kleidung für die Nacht eingepackt, und Cola in der Trinkflasche für die Nerven. Das ist auch nötig, denn dieser Berg macht seinem Namen alle Ehre, das
Einzige, was schlimmer ist als der fast senkrechte Aufstieg, ist der ebenso senkrechte Abstieg, im Dunkeln diesmal und in unwegsamen Grasbüscheln, in denen der umgeknickte Knöchel bei jedem Schritt lauert…
Viel zu langsam, aber gesund komme ich unten an, freue mich auf die nächsten 9 km Schotterpiste und sammle Kraft für den letzten Anstieg, einen unbequemen Berg mit Flussüberquerung, nassen Sumpfgebieten, unglaublich aggressivem Dornengestrüpp und ca 700 Höhenmetern. Weil der auf der Karte eingezeichnete Trail unauffindbar ist, ich aber nicht will, dass mich die Dreiergruppe von PC 7 nochmal einholt, nehme ich die gerade Linie nach oben und komme nach genau 20 Stunden Rennzeit oben auf 2600m an. Ich hätte mich gar nicht so beeilen müssen: wie sich herausstellt, haben die anderen stundenlang gesucht und sich verirrt, bis der nächste Läufer kam. Letztendlich kommen sie 5 Stunden nach mir in‘s Ziel.

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Zielgerade

Im gewaltigen Seitenwind gilt es nun noch immer zwischen 2600 und 2900m über den Grat Richtung Osten zu laufen, bis zum höchsten Punkt des Rennens, dem 3001m hohen Ben Mac Dhui. Dank einer tollen Erfindung namens Paclite erfriere ich nicht völlig, und dank einer Plastiktüte im linken Schuh überleben auch meine Zehen in den durchnässten Socken, Erinnerung an ein übersehenes Moor, in dem ich bis zum Knöchel versunken bin. Klarer Sternenhimmel, Vollmond, die Atmosphäre hat etwas wahrlich Spirituelles, wie es die Begründer des Skyruns vor über 10 Jahren auch gewollt hatten.

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Blut, Schmerzen, ein Riesenspass

Nach fast genau 24 Stunden bin ich im Ziel, dem 2720m hoch gelegenen, einzigen Skigebiet Südafrikas. Begrüsst zwar von einem sehr kleinen Fanclub angesichts der nächtlichen Stunde, aber dafür mit Feuerwerk. Platz 15 für mich, alles respektable Daten für einen, der zum ersten Mal hier ist, sagen sie mir. Und für den ersten Europäer überhaupt…
Stolz und zufrieden ist jeder, der hier in‘s Ziel kommt, und die Erlebnisse und Eindrücke der letzten Tage halten ohnehin länger als alle Schmerzen und Schrammen. Ich wohne die nächsten 2 Tage bei Adrian, dem Skyrun Organisator und schon planen wir, wie ich nächstes Jahr wieder dabei sein werde und wie wir vor dem Rennen eine Woche auf dem Grat in Zelten übernachten werden, um mit einigen Läufern einen Film über den Skyrun zu machen.

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Die Schuhe haben noch etwas Profil, und die Füsse sind jetzt endlich auf einem steilen Weg der Besserung. Also mache ich mich auf den Weg zur Wild Coast.

Hier soll es am indischen Ozean einige atemberaubende Trails geben…

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1 Antwort : Salomon Skyrun Südafrika”

  1. Trailwatch sagt:

    Welche Fazination kann von der natürlichsten Fortbewegung des Menschen ausgehen
    – Durch so eine Landschaft – über solche Strecke – da könnte man glauben, der Marthonlauf ist Dreck dagegen.
    Doch das wäre nicht fair den Millionen angagierten Läufern gegenüber
    Allerdings könnte diese mal darüber nachdenken, ob so ein Skyrun einen neuen Horizont öffnen würde.

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