Trailrunner und Schuhtester für Salomon ist häufig ein anstrengender Job.
Allerdings kann man über Mangel an frischer Luft nicht klagen. Und der Arbeitsplatz hat häufig einen spektakulären Ausblick… Im November umrundete ich noch zweimal den Königssee, kurz bevor der Winter zuschlägt.
Schnellen Schrittes passiere ich die Bootsanlegestelle, von der das letzte Schiff mit seiner Ladung Touristen schon längst abgelegt hat. Der Wirt des Gasthofs am Fuße der berühmten Kirche räumt die Tische ab und schaut mir teilnahmslos nach, als ich Sankt Bartholomä umrunde, und nun dem Scharfrichter in’s Auge blicke: der berüchtigte Rinnkendlsteig ist die letzte und sicherlich höchste Hürde, die bei der Umrundung des Königssees genommen werden muss. Die senkrechte Wand ist zwar fast verschwindend klein neben der mächtigen Watzmann-Ostwand, aber wenn man sie ohne weitere technische Hilfsmittel als nur mit ein paar Trailschuhen bezwingen will, ist es keine Kleinigkeit. Ausgesetzte Trails so breit wie gerade ein paar Schuhe, steile Leitern und Treppen, ein grandioses, wadenbrennendes Finale, das der fantastischen Runde würdig ist, an dessen Ende es sich dem ambitionierten Königsseeumrunder präsentiert.
Ob auch ich beziehungsweise mein Schuh dieser Runde würdig sind, das hatte ich herausfinden wollen…
„Das ist der neue XT Hawk, der kommt Anfang 09.“ Ein unscheinbarer Satz des Produktmanagers von Salomon, der aber zwischen den Buchstaben bedeutet, „kannst Du den mal bitte volles Programm durch die Trails schreddern, bei jedem Wetter, über Stock und Stein, steil bergauf und Geröllfelder runter…und uns dann sagen, was Du davon hälst…“ Na ja, eigentlich soll der Hawk ein Schuh für mittleres bis leichtes Gelände sein, und von Geröllfeldern war nie die Rede. Aber mir scheint dieser toll gedämpfte Schuh ideal für die Königsseerunde, denn die ersten 2 Stunden bis zur Gotzenalm geht es auf Forststrassen dahin, fluffiges Laufen mit zeitweise atemberaubenden Blicken auf den Watzmann (und den Rinnkendlsteig). Dann ist aber Schluss mit Zivilisation und breiten Wegen. Die zackigen Wurzeltrails bringen die Profilsohle auf Betriebstemperatur für echtes Trailrunning, und das beginnt als ich in den langen Downhill in’s Landtal einbiege. Dennoch muss ich tatsächlich kurz ehrfürchtig anhalten, um die sagenhafte Szenerie zu bewundern.
Den unteren Teil bis zum Obersee scheint überhaupt niemand je zu begehen, bis über die Knöchel geht es durch tiefes Laub, spannend wird es wenn dann noch kleine Wasserläufe unter dem Laub den Weg queren, denn hier führt kein Weg vorbei. Nur durch. Im rasenden Schritt fliege ich dem Obersee durch ein einsames Tal entgegen und die Füsse sind im Nu trocken. Hier ist eine gute Gelegenheit etwas zu essen, denn auf der anderen Seite des Königssees ist schon der bereits erwähnte „Scharfrichter“ zu sehen. Wer den gut hochkommen will, sollte lieber nicht schon auf Reserve dort ankommen!
Gespenstisch ruhig liegt der Obersee zwischen zwei Felswänden, hier kommt im Winter überhaupt keine Sonne mehr hin. Und dann bin ich zum ersten mal seit meinem Start an der Königsseer Bobbahn wieder am Ufer des tiefschwarzen Wassers, das zu umrunden ich auszog. Nach nur drei Stunden ist hier der weiteste Punkt erreicht, die Wendemarke sozusagen. Essen, trinken, der Inhalt aus dem leichter werdenden Rucksack wird so zu Treibstoff für die zweite Hälfte. Immer am See entlang geht es noch ein paar Minuten, dann zeigen Steinmännchen auf der linken Seite den Weg in einen schmalen Trail. Noch mal 300 Höhenmeter nach oben, durch einen tollen Laubwald, dann spuckt mich dieser unvermittelt aus, mitten auf einen breiten Wanderweg. Das untere Ende der Saugasse ist erreicht. Wo im Sommer die Hölle los ist, auf dieser Serpentinenautobahn zum Kärlingerhaus, ist nun nur ein einsamer Trailrunner unterwegs. Von hier ist es nur ein Steinwurf nach St.Bartholomä, diesem Vorposten der Zivilisation in einer ansonsten sagenhaft unberührten Landschaft. Nicht umsonst ist der grösste Teil der Runde Teil des Nationalparks Berchtesgaden. Den Rinnkendlsteig nehme ich angesichts der nahenden Dämmerung mit Vollgas in Angriff.
Der Blick zurück auf die absolvierte Strecke ist beeindruckend. Man möchte hier campen, doch der Platz würde nicht einmal ausreichen, um sich hinzulegen… von hier ist es noch ein schneller und sehr steiler Downhill zurück bis zur Bobbahn. Als ich nach knapp sechseinhalb Stunden und etwa 50 Kilometern am Ausgangspunkt ankomme, schreibe ich sofort eine Nachricht über meinen gelungenen Test, „Der Falke ist gelandet!“ Klar hätte es gereicht, den neuen Schuh erstmal nur über einen Forstweg oder eine Nordic Walking Strecke zu laufen, aber es ist doch toll zu wissen, dass er viel mehr kann, als eigentlich von ihm verlangt wird. Wenn sie den zurückhaben wollen, müssen sie noch warten. „Ich glaube den muss ich mal noch ne weile behalten“, schreibe ich, „der ist so bequem, den nehme ich mal mit nach Südafrika, da ist ein 100km-Lauf…“. Ich liebe meine Arbeit! In welchem andern Job kann man bitte so bunte Schuhe tragen und sie ungestraft dreckig machen? Ohne Perücke und rote Nase…
Eine tolle Beschreibung – die Bilder zu schön um nicht auch mal dahin zu fahren.
So, jetzt hab ich meinen eigenen “Falken”…
Leider bin ich weit weit weg vom BGL, aber auch hier hat er seinen ersten Test super bestanden…
Mal wieder ein geiles Teil aus der Salomon-Kiste.!!!