Kein Wunder, vanka regule heisst ja auch “keine Regeln” auf kroatisch….
Ein kleines, familiäres Outdoor und Abenteuer- Filmfestival auf einer Adria-Insel war der Vorwand für eine der heissesten Trailwochen des Jahres!

Offiziell bin ich als Regisseur zweier der vielen vorgeführten Filme eingeladen, Transalpine Run und Teneriffa Crossing stehen auf dem Programm.

Im Chiemgau ist diesen Sommer sowieso offenbar das Gewittertestcenter von Doktor Frankenstein eingerichtet worden und ich musste wegen irgendwas verregnetem auf dem Nürburgring meinen Lieblingslauf im Velebitgebirge in Kroatien sausen lassen. Jetzt ist also eine gute Gelegenheit, meinen wohlverdienten Anteil an ruppiger Wildnis für diesen Sommer einzuholen.
Also ab in’s Gripmastermobile, 900 Kilometer bis Split, mit der Fähre auf die Insel Brac. 45 Minuten maritime Romantik später bin ich schon da. Im kleinen Fischerort Sutivan ist für die nächsten 4 Tage mein Basislager.

Blick auf die Kirche und das Festland

XT S-Lab und Split bei Nacht
Festivalorganisator Daniel organisiert ein Zimmer mit Seeblick, eine Mountainbike-Karte der Insel von der er selber nicht müde wird, zu wiederholen, es sei aber eine sehr schlechte Karte….und ein Mittagessen im besten Restaurant des Ortes. Das perfekte Steak scheint sich sofort in Beinmuskeln zu verwandeln.
Der offizielle Teil der Reise sieht so aus: jeden Abend um 21h15 beginnen die Filmvorführungen im Open Air – Kino. Dank der Unterstützung der Firma Ericsson findet das Festival „Vanka Regule“ nun schon zum 11. Mal statt. Tagsüber sind die wildesten Sportwettbewerbe im ganzen Ort verteilt . Mountainbiker rasen durch die engen Gassen des Ortes, Kletterer hängen an irgendwelchen mittelalterlichen Stadtmauern, man kann mit dem Seekajak um die Insel paddeln…

“Starte am besten um 5 Uhr, danach wird es heiss.” 7 Uhr im Trail – 37 Grad!
Oder aber – man kann ein paar der tollsten Trails diesseits des Äquators unter die Profilsohlen nehmen! Das sollte man tatsächlich vorzugsweise früh morgens tun, denn um die Mittagszeit wird es tatsächlich so heiss, dass die besagten Profilsohlen auf den glühenden Felsen zu schmelzen drohen, und das Gehirn des Trailrunners zu einem nutzlosen Stück Sandpapier wird…

XT Wings 2 Testlabor. Sie leben noch!
Die Zeit war zu kurz auch nur annähernd dem Trailwahnsinn dieser Insel Herr zu werden, aber der örtliche Abenteuersportagent und Daniel mit seinem unverblümten patriotischen Enthusiasmus empfehlen genügend tolle Runden, um bei Abreise festzustellen: ich komme wieder!

Winnetoutrails ohne Indianer
Tag 1 – Die kleine Einführungsrunde am ersten Abend verlangt jede Menge Gleichgewicht, das Adriaufer ist die reinste Mondlandschaft! Der Rückweg in der untergehenden Sonne auf dem sogenannten „Olive Trail“ ist eine echte Erholung für die Füsse.

“Lauft doch am Ufer entlang, aber es ist ein bisschen technisch…” – Kann man so sagen!
Tag 2 – Es geht zur Sache, der Trail führt der an einer alten Abtei vorbei zum Meer hinunter. Hier ist Winnetouland und die Hitze brutal… Stehenbleiben kommt nicht in Frage, weil dann der kühlende „Fahrtwind“ aufhört!

Der Mönch als solcher sucht ja die Einsamkeit…
Den einzigen echten schattigen Platz haben in der Tat die Mönche im 16. Jahrhundert gefunden und dort ein imposantes Bauwerk hingestellt. Doch für religiöse Betrachtungen haben wir keine Zeit, zu schnell und steinig ist der Downhill, und erfordert jede Menge Konzentration.

400 Jahre alte Klostermauern am einzigen Schattenplatz des Tages
Anschliessend geht es am türkisen Meer entlang auf welligen Waldwegen, ich habe eine Gänsehaut als ich auf diesen Trail einbiege – das ist sicher einer der schönsten Trails, die ich überhaupt je gelaufen bin!

Gänsehaut-Trails trotz 40 Grad!

Follow the Gripmaster!

Gripmaster im Wunderland
Die Gänsehaut wird in der nächsten Stunde teuer bezahlt, es gilt, die wilde Downhillorgie wieder auszugleichen und geht einen Canyon hoch, für den das Wort Backofen eine unangemessene Schmeichelei wäre.
Den halben Berg hoch verengt sich der Weg und Bäume sorgen für ein bisschen Schatten. Doch auch der kommt nicht ohne Weiteres daher… Alle paar hundert Meter läuft man in die grössten Spinnennetze, die ich überhaupt je gesehen habe… 5, 6 Meter breit, ebenso hoch, der ganze Weg ist vernetzt als hätte Spiderman persönlich irgendeinen Comicschurken eingefangen… Der völlig verschwitzte Trailrunner ist nicht nur vergruselt wenn er wie in einschlägigen Horrorfilmen völlig eingefilzt wird in dem klebrigen Zeug – zu allem Überfluss erwartet ja auch noch die überdimensionierte Spinne ihre Opfer (wenngleich wahrscheinlich keinen Menschen) inmitten des Netzes… Einzige Lösung, mit einem Stock sich einen Weg bahnen durch diese fast unsichtbaren Fallen, die erst dann vor einem auftauchen wenn man schon fast drin hängt!

“Spiderman, Spiderman,………….”

“………..does whatever a spider can………..”
Dann wird die Navigation schwierig, die beschriebene fragwürdige Karte und mit viel Holz und Gestrüpp vollgelegte Wege sorgen noch für einen ordentlichen Querfeldeinparcours, bei dem ich eine weitere kroatische Weisheit lerne: Wo die kroatische Tanne/Fichte/Nadelbaum keine Nadeln hat – da hat sie Dornen!
Tag 3 – Das kann ich mir nicht entgehen lassen. Auf der Insel Brac steht der höchste Berg aller Adriainseln! Also hin, in aller Frühe, um ein bisschen dem Backofen zu entgehen, und ich will vom Vidova Gora Gipfel runter zum Meer und wieder hoch, bevor ich die Fähre nehme und die Heimreise antrete…

Vidova Gora – der höchste Punkt aller Adria-Inseln. 780m….
Schon zum Start steht die Hitze, und das auf 780 Meter Höhe! Der Trail nach unten ist mal wieder volle kanne volles Geröll, ein richtiger Videospieldownhill, unten drehe ich auf der Hacke um, und starte direkt wieder nach oben, zur grossen Verwunderung der Wanderer, denen ich ja gerade erst bergab einen Schrecken eingejagt hatte, als ich mit Geschepper und fliegenden Steinen den Wings die Sporen gab…
Ein toller Abschlusslauf mit Höhenmetern und einem sagenhaften Ausblick auf die berühmte Urlaubsstadt Bol und die Nachbarinseln…



Einmal vom höchsten Punkt der Insel runter zum Meer und gleich wieder hoch. Verkehrte Welt!
…die klitzekleine Spinne webt fleißig und unentwegt ihr Netz…
Bat, spannender hättest du es einem Sportabstinenten nicht servieren können. Der Filmteil folgt hoffentlich noch.
die spinne
Welch ein Bericht – welch ein Leben – welch eine Insel –
man weiss nicht was man mehr bewundern soll –
oder sind es die ‘SiebenMeilenStiefel’
Alle Achtung Gripmaster
Trailwatch
Was ein wahnsinns Bericht und Fotos – genial – genius!!!
Allesdings muss ich doch sagen – pfui Spinne
Keep on running Gripmaster
Your lks
7 uhr – 37°C, is ja pervers. wie konntest du da nur smaragdfarbenen versuchung namens mittelmeer wiederstehen?
schöner bericht mit super bildern!
und man sieht, die alpen sind nicht immer das allheilmittel…
grüße
hammer!
@daniel: wennst in den alpen nur hoch gnug raufrennst dann is oben wenigstens ned so heiß!
aber die aussicht auf so a feines meer … hmm – ich kann mi glaub ich ned entscheiden!
lg
a wohnsinn!..gripmaster! hast es wieder geschafft,dass wir alle mit offenem mund da sitzen und sprachlos sind!
super!
glg froschsprünge aus mondsee
Wunderschön, wobei es sicher viele ähnlich schöne Trails in Kroatien gibt *seufz*
Aber eine Frage hätte ich noch. Was für eine Kamera benutzt du für deine tollen Fotos?
Gruß
Robert