Im Auge des Elefanten

Heute war ich mit einem Typen laufen, dessen Bild im aktuellen GQ Magazin ist!

Aber sicher, sagt Ihr, wer soll denn das schon sein? Ist Di Caprio am Strand unterwegs gewesen? Hat irgendein Supermodel aus Camps Bay den Gripmaster angerufen, um ihn zu einem kleinen Joggingausflug in’s Cafe einzuladen?

Von wegen.

“Kapstadt"

Nichts von alledem…. Südafrikas schneller Wüstenfuchs Ryan “Sandman” Sandes aus Hout Bay hat sich bereit erklärt, mit mir an einem Ruhetag eine Runde zu drehen. Klar, sage ich, wie schlimm kann es schon sein…es ist sein Ruhetag….dennoch – ich hätte gestern noch ein Monstersteak essen sollen! Weil – der Typ ist in Form!
Ryan kennt sich aus, also darf er die Route auswählen. Wir starten im märchenhaften Tokai Forest, und die ersten 20 Minuten geht es mir gut, solange wir noch IN dem Pinienwald unterwegs sind: die Sonne sticht schon wieder auf uns hinab, als wollte sie den Kern der Erde zum schmelzen bringen! Wann immer wir in offenes Gelände kommen, beginnen meine mitteleuropäischen Gehirnwellen zu Mikrowellen zu werden, während Mister Sandes noch nicht einmal schwitzt. Nicht dass man das sehen würde, dieser wahnsinnige hat lange Ärmel und eine 3/4 Exotight an! Es ist offensichtlich, er hat die Hitze unterschätzt und wird jeden Moment neben mir auf dem Trail zusammenbrechen!

Von wegen.

“Kapstadt"

Wir laufen in seinem persönlichen Mario Bros-Nintendo-Playstation-Terrain (die Trails heissen Level 1, Level 2, ….bis Level 5!) Kurve um Kurve hoch, und ich sehe langsam doppelt, während der junge Typ vor mir die Konversation aufrecht hält.
Aber er ist nett und rücksichtsvoll lässt er mich alleweil anhalten, um etwas zu trinken, und für eine kurze Dusche unter einem Wasserfall, der für mich zum Lebensretter wird.

“Kapstadt"

Der höchste Punkt heute ist ein magischer Ort: ein monumentales Loch im Berg ist die “Elephant’s Eye” Höhle mit fantastischem Blick über die Stadt weit unter uns.
Es sieht so aus, als hätte man die Höhle auf den Kopf gestellt, die grünen Gewächse wachsen an der Decke, nicht auf dem Boden…aber das kann auch an mir liegen…habe ich die Sache mit den Gehirnmikrowellen erwähnt?

“Kapstadt"

Während wir uns wieder die Levels nach unten arbeiten, lerne ich eine Menge über diesen bescheidenen Sportler, der gerade siegreich vom Dschungelmarathon zurückgekehrt ist, trotz seiner Schlangenphobie…..
Es überrascht mich auch nicht mehr, dass der Kerl nicht schwitzt, seinen Namen “Sandman” hat er bekommen nachdem er vergangenes Jahr zwei der krassesten Wüstenrennen durch die Wüste Gobi und durch die Sahara gewonnen hat. In Namibia wurde er dieses Jahr zweiter. Für seinen nächsten Wüstenlauf in Chile trainiert er oft mit mehreren Jacken übereinander in der Hitze.

“Kapstadt"

Nächstes Jahr nimmt er allerdings auch ein Rennen in der Antarktis in Angriff, und ich werde kommenden März mit ihm auf Schnee trainieren gehen, wenn wir uns in Europa wiedersehen. Danach müssen wir ihn wahrscheinlich umbenennen – in “Schneemann”.

“Kapstadt"

2 Antworten : Im Auge des Elefanten”

  1. Trailwatch sagt:

    Ds ist ja Wahnsinn – Typen gibt es – das ist offensichtlich das high end, was sich so trifft – zum Ruhetag am Kap – warum auch nicht.

    Tolle Geschichte !!

  2. froggy sagt:

    war jetzt eine richtig nette u vorallem lustige gutenacht geschichte:-))
    ich kann sehr gut nachvollziehen wie du dich gefühlt haben mußt;-)))
    bis bald,frog

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>