
Königseeumrundung im August 2007, zusammen mit Trailschnittchen. Schon vor einem Jahr hatte ich die Strecke auf der Karte eingezeichnet, im August war es dann endlich soweit! Als letztes langes Training vor dem Transalpine Run wollen Julia (Trailschnittchen) und ich (Der Gripmaster) den Königssee umrunden…
Bevor wir uns am Morgen treffen, sehe ich im Supermarkt in Berchtesgaden, dass das OUTDOOR Magazin einen Bericht über genau diese Umrundung bringt, mit dem Titel “Die schönste Wanderung im Chiemgau”. Sehr vielversprechend! Vielversprechend allerdings auch, dass sie für diese Umrundung, das heisst, eigentlich nur für eine Dreiviertelumrundung bis St. Bartholomä, drei Tage einplanen… (Schluck!) Na gut, wir wollen laufen, nicht wandern, wir haben auch nur unsere 10 Liter-Raid Revos mit, keine Trekkingrucksäcke…dennoch, wir werden uns wohl ranhalten müssen, denn bis wir endlich loskommen, ist es schon neun Uhr.

Es ist ein perfekter Sommertag, und auch ein perfekter Lauf. Die ersten 10 Kilometer sind schnell erledigt, auf den Forststraßen an der Jennerbahn vorbei bis an der Seeaualm endlich die Trails anfangen. Ab jetzt wird es nie mehr langweilig, hoch und runter, Singletrails, es geht durch Regenwaldartige Landschaft, Treppen runter, Leitern hoch. Die Landschaft ist grandios und die Trails anspruchsvoll, sehr matschig vom Regen der letzten Tage. Die stundenlange Achterbahnfahrt ist wirklich einer der genialsten Läufe überhaupt in diesem Jahr!
Als wir nach viereinhalb Stunden am Kärlinger Haus ankommen, werden wir von den Wanderern bestaunt, als wären wir mit einem Raumschiff gelandet. Laut Wanderführer ist hier Tagesetappe 2 zu Ende, und hier wird übernachtet. Wir trinken soviel wir können, füllen wieder zwei Liter Wasser in’s Platypus, und weiter geht’s!

Ein rasender Serpentinendownhill bringt uns zum ersten Mal direkt an den See. Beschaulich geht es durch die Sonne auf St.Bartholomä zu, die berühmte Kirche leuchtet in der Sonne. Und schlagartig kommen wir uns vor wie Ausserirdische, oder wie auf einem fremden Planeten? Es sind tatsächlich hunderte, vielleicht tausende Menschen hier, es riecht nach Imbissbuden, eine Provokation für unsere seit Stunden auf Sparflamme laufenden Mägen. Hier herrscht Disneyland, nur ohne die Verkleideten Figuren, zig Meter lange Schlangen an der Anlegestelle für die Boot zurück nach Berchtsgaden… wie zwei rote Blitze zick-zacken wir zwischen Japanergruppen, übergewichtigen Touristen und Ansichtskartenständern hindurch und atmen auf, als wir diese unwirkliche Situation hinter uns lassen…wieder in unserem Element, nehmen wir das letzte Hindernis des Tages in Angriff.
Der Rinnkendelsteig hat den Ruf nicht ganz einfach zu sein, und “verdammt!!” nach siebeneinhalb Stunden, und davon die letzten drei nur bergab, ist diese senkrechte Wand ein echter Hammer! Im oberen Teil geht es über morsche Leitern und Stufen, mit Absturzgarantie bei dem geringsten Fehltritt. Mit zitternden Beinen wuchten wir uns nach oben, der Blick über den See ist grandios, und wir können unsere seit heute früh zurückgelegte Strecke gut nachvollziehen, was uns schier selber erschreckt.

Kurz nach den letzten glitschigen Holzstufen setzt ein feiner Nieselregen ein, welcher uns bis hinab zur Bobbahn in Königsee begleitet. Das GPS zeigt eine Strecke von 70 Kilometern an, und wir sind in unter neun Stunden am Ziel und sehr zufrieden. Nichts kaputt, Füße sind heilgeblieben. Julia sagt “Mann, jetzt hab ich aber die Schnauze voll vom Laufen!” – Ich könnte es nicht besser formulieren, und wir sind uns einig, das war perfekt, jetzt können wir wie es sich gehört die letzten Tage bis zum Transalpine Run die Füsse stillhalten, ohne nervös zu werden, und sind dann am Start wieder ausgehungert und mit scharrenden Hufen.
Auch als letzter Materialtest war diese Route gut, der XT Wings ist unser Schuh, und nun so richtig eingelaufen; die Packvest für Julia und der RaidRevo für mich das perfekte Transportgerät. Und diese Route ist der absolute Wahnsinn, 2007 haben wir es nicht nochmal geschafft, aber sobald der Schnee weg ist, sind wir 2008 wieder dort, und ich habe da noch ein paar Varianten auf der Karte.
