Sie nennen ihn den “SANDMAN”

Südafrikas erfolgreichster Wüstenläufer ist ein Senkrechtstarter. Ryan Sandes aus Kapstadt kam aus dem Nirgendwo als er 2008 als schnellster den „4 Deserts“ Lauf durch die Wüste Gobi gewann… Gripmaster schwitzte ein paar Stunden neben ihm auf seinen heimischen Trails und hatte Gelegenheit, ihm auf den Zahn zu fühlen.

“Sandman"

Gripmaster: Ryan, du warst nicht gerade eine Berühmtheit in der Wüstenlaufszene, als du im März 2008 beim „Gobi March“ (ein 7-Tagesrennen über 250km in China) aufgetaucht bist. Dann hast du alle überrascht, als du das Rennen und sogar alle Etappen gewonnen hast. Hast du dich selbst auch überrascht?
Sandman: Ja, das kann man wohl sagen! Als ich mich beim Rennen durch die Wüste Gobi angemeldet habe, war ich nie ein Trailrennen über 35km gelaufen, ich wusste wirklich nicht was mich erwartete… Ich bin aber recht ehrgeizig und habe hart trainiert dafür, denn ich wollte gerne unter die ersten zehn kommen. Ich werde nie vergessen, wie ich dann die erste Etappe gewann! Eine Riesenüberraschung! Am zweiten Tag bin ich so gerädert aufgewacht, dass ich dachte, ich komme an dem Tag als letzter an. Dann habe ich aber tatsächlich alle Etappen gewonnen.
Gripmaster: Als nächstes hast du das „Sahara Desert Race“ gewonnen, und dabei Superstars wie Dean Karnazes hinter dir gelassen. Es sieht so aus, als kommst du gut mit Sand und Hitze zurecht?
Sandman: Die Sahara war echt hart! An manchen Tagen hatten wir Temperaturen weit über 40 Grad, und ich hatte das Gefühl an der Hitze zu ersticken. Der Sand war so weich, dass ich das Gefühl hatte, alle 2 Schritte wieder einen zurückzusinken. Aber ich hatte dennoch viel Spaß! Ja, ich denke, man kann sagen, ich komme mit Sand und Hitze gut zurecht…
Gripmaster: Du läufst nun die komplette „4 Deserts“-Serie. Hattest du das schon vor, als du dich zum „Gobi March“ angemeldet hast? Und wie kam es überhaupt dazu, daß du dich zu so einem langen Rennen angemeldet hast?
Sandman: Ich habe die „4 Deserts“ im Internet gefunden und mich einfach angemeldet, ohne groß drüber nachzudenken. Ich fand es eine tolle Herausforderung, etwas zu machen, von dem ich nicht wusste ob ich es überhaupt schaffe. Dann wurde mir aber klar, dass ich ernsthaft trainieren müssen würde, und habe erstmal das Biertrinken gelassen. Eigentlich wollte ich nur das Gobi Rennen beenden, und dann mit dem Laufen aufhören und wieder ein soziales Leben aufnehmen. Aber nach dem „Gobi March“ war ich süchtig….

“Sandman"

Gripmaster: Dein nächstes Rennen ist das „Atacama Crossing“ in Chile in ein paar Wochen. Bist du bereit?
Sandman: Ich denke schon, das Training geht wie geplant. Ich fahre nächste Woche in die Drakensberge, Südafrikas höchstes Gebirge, um in der Höhe zu trainieren. Die Atacama Wüste liegt 3000 Meter hoch, und hier in Kapstadt lebe ich auf Seehöhe! Ich glaube die grösste Schwierigkeit beim Atacama Crossing wird die Höhe sein.
Gripmaster: Warst du schon einmal in Chile? Was erwartest du vom Atacama Crossing?
Sandman: Ich war noch nie in Chile oder im Atacama, aber ich habe die Bilder von der Dakar-Rallye gesehen, es sieht toll aus! Die Atacama soll die schönste aber auch die härteste Wüstendurchquerung sein. Es wird also schwer, aber ich freue mich riesig darauf!
Gripmaster: Um die „4 Deserts“ zu komplettieren und womöglich sogar zu gewinnen, wirst du im November durch die Antarktis laufen. Das ist eine etwas andere Art von Wüste… Als Südafrikaner, hast du eigentlich Erfahrung mit Laufen im Schnee?
Sandman: Ich bin noch nie auf Schnee gelaufen…ich schätze die Antarktis wird sehr interessant…..Ich bin noch nie in so grosser Kälte gelaufen, ich habe keine Ahnung wie mein Körper damit zurechtkommen wird.
Gripmaster: Wie wirst du dich für die Antarktis vorbereiten?
Sandman: In Südafrika gibt es eine Kette von Outdoorläden, der Cape Union Mart. Dort darf ich in der Kältekammer auf dem Laufband trainieren. Ich hoffe nur, das Laufband friert nicht ein! Ich habe gehört, daß man den Körper mit der richtigen Kleidung so gut vor der Kälte schützen kann, daß das Laufen möglich ist. Zum Glück hat mein Sponsor Salomon Winterkleidung!
Gripmaster: Du wirst also spezielle Ausrüstung benötigen?
Sandman: Ja, die Renndirektion hat uns eine neunseitige Ausrüstungsliste geschickt. Schneebrille, Spikes oder Ketten für die Schuhe um Grip auf Eis zu haben, Baselayers,… Ich muss das alles noch studieren, aber jetzt will ich erstmal heil durch Atacama kommen.
Gripmaster:Macht dir die Kälte Sorgen?
Sandman: Nein, ich sehe das als eine neue Herausforderung. Aber ich schätze, wenn meine Hände und Füsse zu Eisblöcken gefroren sind, würde ich anfangen, mir Sorgen zu machen.

“Sandman"

Gripmaster: Wie ist es, nehmen dich alle diese langen Rennen körperlich mit?
Sandman: Ich finde, daß Trailrunning den Körper viel weniger verschleisst als das Laufen auf der Strasse. Ich halte mich ganz gut. Aber ich gehe auch einmal wöchentlich zum Physiotherapeuten, und regelmässig zu Massagen, um meinen Körper beieinander zu halten. Nach einem langen Etappenrennen mache ich immer gut 10-14 Tage Pause, um mich zu erholen. Ich bin dann auch mental müde, und es tut gut, dann mal nicht zu tun und sich wieder aufzuladen.
Gripmaster: Wie bist du eigentlich zum Trailrunning gekommen? Hast du vorher andere Sportarten betrieben?
Sandman: Als ich noch studierte, wollte ich einen Halbmarathon laufen, weil ein paar Frunde von mir da mitliefen. Aber es gab keine Plätze mehr, so musst ich mich beim Marathon anmelden. Also habe ich das gemacht, und angefangen zu trainieren, und nach ein paar Monaten war ich verrückt nach Trailrunning. In der Schule und Universität habe ich die meiste Zeit mit Surfen und Rugby verbracht. Vielleicht haben mich all die Tage mit stundemlangen Strandfußball spielen gelehrt, wie man auf Sand läuft!
Gripmaster: Was machst du jetzt noch für andere Sportarten?
Sandman: Ich habe ein bißchen mit Mountainbiken angefangen, aber ich stürze häufig! Ich versuche noch immer, etwas Zeit am Strand zu verbringen, aber ich komme nicht mehr so viel zum Surfen.
Gripmaster: Verrät uns der Sandman ein paar Trainingsgeheimnisse? Wie sieht dein Training aus?
Sandman: Wenn ich für ein grosses Rennen trainiere, laufe ich zwischen 120 und 200 Kilometer in der Woche. Ich mache ein paar kürzere, schnellere Läufe, so um die 25km. An den Wochenenden bin ich dann zwischen 3 und 8 Stunden unterwegs. Ich verbringe ausserdem noch allerhand Zeit im Fitness-Studio für Oberkörperkrafttraining und ein bisschen Schwimmen zur Erholung.
Gripmaster: Das klingt als hast du nicht noch viel Zeit zum Arbeiten?
Sandman: Im Moment bin ich quasi professioneller Trailrunner. Aber neben dem reinen Laufen wird viel Zeit in Anspruch genommen von Interviews und Mediensachen, vom Organisieren der Rennen und Sponsorenverpflichtungen.

“Sandman"

Gripmaster: Du bist Rennen in der ganzen Welt gelaufen, aber bist du dann auch mal hier in Südafrika am Start?
Sandman: Ja, ich starte schon bei lokalen Rennen, aber nicht sehr oft. Es gibt hier in Kapstadt so viele Trailrennen, aber ich starte lieber bei wenigen und bin erfolgreich, statt überall zu laufen ohne zu gewinnen… Ich bin ja noch jung und habe noch viel Zeit vor mir!
Gripmaster: Hast du Trainingspartner oder läufst du alleine?
Sandman: Unterschiedlich, ich würde sagen, ich laufe 60% der Zeit alleine und 40% mit anderen Leuten. Ich trainiere sehr viel um die Mittagszeit, und da ist es schwer, jemanden zu finden der freiwillig mitkommt, wegen der Hitze!
Gripmaster: Hast du ein paar „Lieblings“- Ausrüstungsgegenstände? Schuhe oder Kleidung die du besonders gern benutzt?
Sandman: Mein Lieblingsschuh ist der Salomon XT S-Lab 2. Für kurze Waldläufe nehme ich gerne den Speedcross 2, die maechen sehr viel Spaß, man fliegt regelrecht damit! Mein neuestes Spielzeug ist die Suunto X10, man kann nach einem Lauf auf dem Computer die Strecken ansehen, sehr kurzweilig!
Gripmaster: Was ist mit Ernährung? Isst der Sandman gesunde Sachen?
Sandman: Ich versuche jedenfalls, mich gesund zu ernähren aber ich bin da ein Fanatiker – man muss das Leben geniessen! Ich liebe Pizza und noch mehr Steak!
Gripmaster: Du warst auch beim Dschungelmarathon 2009 am Start (und siegreich!) Nicht direkt ein Wüstenlauf…. wie war das?
Sandman: Die Luftfeuchtigkeit war extrem – 98%! Ich habe mich die ganze Zeit wie in Zeitlupe gefühlt. Es war sehr hügeliges Gelände. Es ging durch Zeckenverseuchte Sümpfe und durch Flüsse voller Krokodile. Auf den Trails fiel ich ständig über Wurzeln, wurde von Wespen gestochen und begegnete Schlangen und riesigen Reptilien die wie Ratten aussahen. Eine grosse Herausforderung für mich, der ich eine regelrechte Reptilienphobie habe!! Aber ich muss sagen, es hat Spass gemacht, und hat allerdings den Dschungel von meiner To-do-Liste gestrichen…
Gripmaster: Du warst recht erfolgreich in den letzten Jahren. Hift das beim Finden von Sponsoren?
Sandman: Auf alle Fälle. Dank Velocity Sports Lab, Salomon, Oakley, Hammer Nutrition und Suunto kann ich meine Träume ausleben.

“Sandman"

Gripmaster: Was sind die grössten Schwierigkeiten bei einem Wüstenlauf?
Sandman: Die grösste Herausforderung ist mental, man muss seine Beine zwingen sich weiter zu bewegen, auch wenn sie vor Schmerzen nach einer Pause schreien. Der Geist kämpft mit dem Körper, und ich bin immer selber überrascht, wie weit ich meine vermeintlichen Grenzen noch verschieben kann. Sowohl physisch als auch psychisch. Sehr wichtig ist ausserdem die Flüssigkeitszufuhr! Wenn man da nachlässig ist und zu wenig trinkt, ist das Rennen vorbei! Dank Gaitors habe ich das Sandproblem auch in den Griff bekommen. Laufen im Sand ist eine eigene Disziplin, man muss sich damit anfreunden, sonst hat man in der Wüste keinen Spass.
Gripmaster: Wenn du die langen Etappenläufe machst, wie hälst du durch?
Sandman: Jeder Tag ist ein neuer Tag. Innerhalb der Etappen fokussiere ich mich immer auf den nächsten Checkpoint. Die sind bei den Wüstenläufen meist alle zehn Kilometer. Das Rennen in kleine Portionen aufzuteilen, hilft bei den langen Strecken mental enorm. Wenn es mir mal schlecht geht, sehe ich zu, dass ich erstmal zum nächsten Checkpoint komme, das ist immer überschaubar. Bevor man sich versieht, ist das Rennen geschafft. Naja so in der Art…
Gripmaster: Hast du irgendwelche speziellen Ziele? Wo möchtest du laufen, wenn du die „4 Deserts“–Serie beendet hast?
Sandman: Ich würde gerne ein paar 100-Meilen laufen, überall auf der Welt. Zum Beispiel den Western States, Mont Blanc,… Ich freue mich auch sehr auf den Transalpine Run, wo ich dieses Jahr mit Linda Doke als Mixed Team starten werde!
Gripmaster: Ist es wichtig für dich, in einem Rennen zu starten, oder kannst du dir auch vorstellen, eine Wüste oder eine andere tolle Landschaft einfach nur aus Spass laufend zu durchqueren?
Sandman: Nein, es geht mir nicht nur um die Wettkämpfe. Ich kann mir sogar sehr gut vorstellen, in der Zukunft auch mir fremde Landschaften laufend zu erkunden, ich habe da so ein paar Ideen… Ich bin Trailrunner weil ich gerne draussen bin, neues entdecke und mir selbst neue Herausforderungen suche.

“Sandman“

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Das Interview und vieles mehr gibt es im neuen TRAIL MAGAZIN, Ausgabe 01 / 2010

www.trail-magazin.de



3 Kommentare zu “Sie nennen ihn den “SANDMAN””

  1. Carsten sagt:

    Klasse Interview! Mann, du triffst Leute… ;-)
    Die Bilder, wie gewohnt, DER WAHNSINN!!!!

  2. Alpenhäsin sagt:

    Hai, hai,

    also, die Wüste ist ja nicht so mein Ding, aber der Sandmann macht einem doch Lust drauf ;-)
    Da hast Du ein wenig Wärme in die eiskalten Schneemassen hier bei uns gebracht!
    DANKE mal wieder für eine tolle Story :-)

    Bis bald mal!

  3. d sagt:

    sympathischer Typ ;-) )

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