November. Trailrun Worldmasters in Dortmund sind vorbei. Es ist Zeit für den Sommer!!
Wie jedes Jahr mache ich mich auf nach Südafrika, wo es ab jetzt von Tag zu Tag wärmer wird, um mir den Sommer zurückzuholen, den ich wegen zuviel Arbeit und einer eisigen Reise nach Island geradezu verpasst habe.
Nur 24 Stunden nach der Siegerehrung in Dortmund sitze ich schon in Salzburg im Flugzeug nach Kapstadt.
Ich packe meinen Dufflebag und nehme mit…..
Deftiges Reiseprogramm, am Sonntag noch in Dortmund bei den Trailrun Worldmasters, 24 Stunden schon in Salzburg im Flugzeug, Richtung Südafrika…. Bei der Landung in Kapstadt werde ich schon abgeholt und auf geht’s auf die 1800km Reise in die Drakensberge. Unsere Gang aus Kapstadt verteilt sich auf 2 Autos, und dann zerfleddert die Gruppe auch noch unterwegs weil manche Zelten wollen, auf der fast 3 tägigen Fahrt, und andere, mich eingeschlossen den Komfort eines überdachten Bettes vorziehen.
Wie sich herausstellen sollte, haben die Camper doch die bequemere Reise, weil wir Hotelsuchende von einem Mißgeschick in’s nächste rasseln. Zunächst mußten wir eine Nacht im (kalten) Auto verbringen, weil wir wegen Batterieproblemen in der Mitte von nirgendwo liegenblieben, natürlich mitten in der Nacht… Das konnte glücklicherweise nach einer haarsträubenden Abschleppaktion am Morgen behoben werden, und wir kamen ziemlich geschreddert in den Drakensbergen an, auf Kevins Lämmergeier-Farm, die mehr eine Hundefarm zu sein scheint…
Die Mobilitätskrise geht weiter, als wir die letzten 10 Kilometer der geänderten 100km Skyrunroute ansehen wollen. Dafür geht es einige Stunden über Schotterpisten in die Wildnis. Den ersten platten Reifen können wir noch selber reparieren, Kapschnittchen hat das auf ihren Namibia-Fahrten schon geübt und macht souverän selber alles klar, während zwei freundliche Farmhelfer die auf Pferden vorbeigeritten kamen, beeindruckt schweigend zusehen…
Alles dauert so natürlich viel länger und wir sind schon recht ausgetrocknet und verhungert als wir auf dem Rückweg Richtung Racebriefing in Lady Grey sind, und ein lauter Knall den nächsten gerippten Reifen ankündigt. Wir sind uns einig – “vorne rechts…” als wir ratternd zum Stehen kommen. Unglaublich, was für ein Pech, und jetzt haben wir ein Problem, denn…kein zweites Ersatzrad!
Also rufen wir die Lämmergeier-Notfall-Hotine an, und Kevin kommt mit seinem noch mit Farmarbeitern vollgeladenen Pickup nach einer knappen Stunde vorbei, telefoniert ununterbrochen in der Gegend herum, und beschafft uns tatsächlich zwei Ersatzreifen für den nächsten Tag, die allerdings aus einigen hundert Kilometern Entfernung angeliefert werden müssen…
Derweil bauen wir das zerfetzte Vorderrad ab.
Wenn wir dieses Wochenende gar nicht mehr zum Laufen kommen sollten, so haben wir zumindest ordentlich Krafttraining gemacht!
Spät am Abend sind wir dann endlich wieder auf der Farm, verstaubt, genervt, ausgehungert, ausgetrocknet, und natürlich ohne Auto…
Zum Glück sind noch ein paar andere Skyrunner auf der Nachbarfarm und nehmen uns am nächsten Morgen um 2 Uhr (!) mit zum Start nach Lady Grey.
Hundemüde aber ich bin da, und Punkt vier Uhr rennen 150 Skyrunaspiranten los, mehr denn je zuvor… Die roten Startnummern zeichnen die Veteranen aus, die schonmal dabei waren.. Die viel zahlreicheren blauen Nummern werden von den Neulingen getragen.
Den ersten Berg nehme ich noch von der Spitze in Angriff, und komme als sechster im Sonnenaufgang oben am Turm an. Seit September bin ich nie wirklich lange gelaufen, so ist eigentlich klar, daß ich nach 3-4 Stunden ganz sicher einbrechen werde wie ein Elefant auf einem überfrorenen Teich im Frühling. Also kann ich zumindest meine kurze, schnelle Reichweite, vor allem bergauf, noch ausnutzen und etwas Vorsprung rausholen…
Erst kurz vor dem Gipfel überholt mich Bruce Arnett, 11-facher Skyrunsieger, und diesjähriger Zweiter… es war also ein zügiges Tempo! Das geht dann noch ein paar Stunden gut, und wie zu erwarten ist am späten Vormittag die Luft raus – Mobilitätskrise mal anders.. Ich kämpfe mich durchs fantastische Gelände, navigiere einwandfrei, aber das Tempo sinkt, der Spaß auch. Zudem kämpfe ich 10 Stunden lang mit brennenden Füßen, höchst ungewöhnlich in meinem Lieblingsschuh XT Wings 2! Dann bohrt sich noch eine Wurzel durch’s Obermaterial und bricht mir fast einen Zeh.
Währenddessen schlägt das Schicksal auch beim Kapschnittchen nochmal zu. Nach dem ganzen Zirkus auf der Anreise und weil sie sich nach einer erfolgreichen aber anstrengenden südafrikanischen Sommersaison derzeit nicht fit fühlt, verzichtet sie dieses Jahr auf den Skyrun. Stattdessen fährt sie für uns andere an’s 65km Ziel mit unseren Taschen mit Wechselschuhen und so weiter. Und das, weil unser Auto ja noch auf neue Reifen wartet, mit einem nagelneuen Toyota unserer Farmnachbarn.
Und die Krise schlägt schon wieder zu! Es ist, als sollten wir dieses Jahr einfach nicht hier sein! Kaum sind wir alle am ersten Checkpoint vorbei, will sie starten, und nun ist am geliehenen Auto ein Reifen platt!
Lange Rede, kurzer Sinn, während ich meine Mobilitätskrise mit meinen brennenden Füßen, meiner schwindenden Muskel- und Willenskraft und dem ohnehin anspruchsvollen Kurs ausfechte, hat unsere arme Supportfahrerin mal wieder einen Wagenheber in der Hand….
Ich erfahre es erst nach dreizehn harten Stunden als ich an der Balloch Wall ankomme, aber die arme ist währenddessen ein paar hundert Kilometer umeinander gefahren, hat neue Reifen abgeholt, auf Felgen tun lassen, dann die Räder auf die dazugehörigen Autos montiert, ihr eigenes Auto vom Straßenrand entfernt und auf einer Farm geparkt, und ist letztendlich nach Balloch zum Supportpoint gerast, um uns verstaubten, geschredderten, blutigen Läufern unsere Taschen rechtzeitig zu bringen….
Wie dem auch sei, nach 13 Stunden und 65 Kilometern habe ich auf deutsch gesagt die Schnauze voll und schenke mir den Teil des Skyrun, den ich eigentlich am liebsten mag – den zweiten Teil, inklusive der Nacht, der brutalen Balloch Wall und des monströsen Bridal Pass.
Alles in allem keine ganz erfolgreiche Skyrunmission dieses Jahr, und in den Tagen danach stellte sich dann auch heraus, warum ich am Samstag so schwach gewesen bin – Husten, Fieber, ich bin für eine knappe Woche lahmgelegt…
Unser Retter Kevin von Lämmergeier Adventure Trails, der uns die Abreise letztendlich erst ermöglichte, indem er uns noch 20 Liter Diesel in den Nissan füllte…
Endlich in Kapstadt! Endlich auf meinen Lieblingstrails!!
Nach drei Tagen Rückreise und weiteren vier Tagen Fieberwahn kann ich endlich wieder laufen gehen, und zum Aufwärmen geht es erstmal auf den Pipetrack, oberhalb Camps Bay.
Am nächsten Tag geht’s auf den Contour Path, ein welliger Trail an der Ostseite des Tafelbergs, mit Holzplanken, und sogar Wald….
Und nächster Berg – Lion’s Head! In Gluthitze und inklusive einem kleinen Querfeldeinabstecher gehts es auf dieses markante Wahrzeichen Kapstadts.
Mein neuer Lieblingsschuh – mein XA Pro 5 limited edition! Diese Farbe wurde gar nicht in Serie produziert, ich laufe also mit einem ziemlich seltenen Exemplar…
Obendrein in den Gripmastertrails-Farben! Schwarz-rot-weiss!!!
Devil’s Peak – der Teufel trägt ein weißes T-Shirt !
Der spektakulärste Lauf folgt am nächsten Tag…inzwischen hab ich wieder richtig Spaß und die Beine sind geradezu explosiv.
Vom Kloof Corner unter der Seilbahn geht es über den rasend schnellen Contour Path, dann an der supersteilen Platteklip Gorge vorbei und in Richtung Newlands Ravine steil rechts hoch.
Und dann links senkrecht hoch in der brennenden Sonne bis auf den Devil’s Peak.
Auf dem Rückweg gibt es sagenhafte Ausblicke über die Stadt und endlose Serpentinen. Und zum Glück auch den einen oder anderen Wasserfall, unter den ich mich komplett drunterstellen kann…
Und dann entdecke ich noch ein neues Lieblingsgetränk… Wenn man ist was man ißt , ist man dann auch, was man trinkt???
Ich probiere das derzeit aus!!
Man wird neidisch.
Hast Dir aber verdient und wir danken Dir für den tollen Bericht.
So ist das Leben – man bekommt von allem was ab- mit etwas Abstand und Humor läßt sich vieles ertragen wie man sieht -
gratuliere zu dem Bericht
“Dabei sein ist Alles”
Das sind Geschichten die das Leben schreibt!
cooler roadtrip
PS:
Wo bekomme ich eine Dose Rockstar Energy drink her?!?