Der Löwe zeigt seine Zähne. Seine Gehilfin, die Sonne tut was sie am besten kann: sie brennt unerbittlich auf mich hinab. Die Muskeln brennen, die Haut glüht, das Gehirn schmilzt… Es kann keinen Zweifel geben – ich bin in Afrika!

Wenn man in Deutschland das Wort Südafrika erwähnt, werden reflexartig in den Gehirnen der Zuhörer Verbindungen hergestellt, einjeder denkt – ah die Fußballweltmeisterschaft! Der weltweite Marketinghammer von FIFA, Adidas und Konsorten hat die Lufthoheit übernommen, auch in Kapstadt sind die Plakatwände voll von bunten Südafrikafahnen, die von mehr oder weniger talentierten Werbestrategen mit Fußballspielenden Kindern und markigen Sprüchen dekoriert und zu einem kollektiven Brainwash verarbeitet wurden. Eine sozialkritische Betrachtung des Konsumwahnsinns in Kapstadts Monster-Malls, nur wenige Kilometer entfernt von der Stacheldrahtbewehrten Realität in den Townships, welche Südafrikas billige Arbeitskräfte beherbergen, würde jedoch das Bild trüben, welches ich jedes Mal von dort zurückbringe, und welches ich auch hier vermitteln möchte.

Eines ist sicher, Südafrika ist ein Land der Gegensätze. Habe ich im Aufstieg zum Lion’s Head noch unglaublich geschwitzt, so bereue ich es nun auf dem Gipfel, keine Handschuhe mitgenommen zu haben. Wie so oft sind innerhalb weniger Minuten Wolken aufgezogen, die sich hier oben als dichter Nebel niederlassen. Aus der Ferne sieht es putzig aus, wie sich die Raumschiffartige Watte auf dem Lion’s Head, dem gegenüberliegenden Devil’s Peak oder dem in der Mitte thronenden majestätischen Tafelberg zu parken scheint. Wenn man mittendrin ist, sieht es jedoch anders aus… Die Temperatur stürzt innerhalb Minuten, die Sicht ist auf Armeslänge reduziert. Nicht ohne Grund gehen jedes Jahr nichtsahnende Touristen im Labyrinth des Tafelberges verloren.

Wenn In Europa Herbst und Winter zuschlagen, die Tage kürzer werden, und zumindest bei uns in den Alpen die Trails durch mehr und mehr Schnee zusehends unpassierbar…dann wird es auf der Südhalbkugel langsam Sommer! Für den Trailrunner, der einfach noch nicht genug hat, und der obendrein abenteuerlustig und geländegängig ist, für den ist Kapstadt ein Reiseziel wie es nur wenige auf der Welt gibt! Der Ausgangspunkt für die wortwörtlich unzähligen Trails auf der Kaphalbinsel, zwischen Atlantik und Indischem Ozean gelegen, und obendrein mit nur einer Stunde Zeitdifferenz zu Europa – das Trailparadies ist näher als man denken würde!!!

Ist Trailrunning in Deutschland noch in der Entwicklungsphase, sieht es in Südafrika ganz anders aus damit! Selbst dem frisch eingereisten Europäer gelingt es, am Wochenende mit einer Gruppe durch aufregende Trails zu rasen. Mit erstaunlich minimalistischer Ausrüstung ist so mancher Crack hier unterwegs, und in was für einem Tempo! Wer fast immer in ruppigem Geröll und durch dichtes Buschwerk rennt, den hält auf einem Wanderweg überhaupt nichts mehr auf! Weil es im Dezember hier tagsüber sehr heiss wird, starten die Einheimischen gerne zu früher Stunde, Verabredungen um 7 Uhr am Trailhead sind nicht ungewöhnlich. Der übermütige Europäer startet gerne wie zuhause gegen Mittag und wird dafür unbarmherzig mit Gluthitze gestraft…

Hitze hin, Schlafmangel her… das Kap bietet eine unglaubliche Auswahl! Direkt am Stadtrand kann man eine kurze Stunde voller Ausblicke und leichter Trails am Lion’s Head absolvieren. Der gegenüberliegende Devil’s Peak ist nicht nur höher sondern auch der Weg nach oben ist ein ganzes Stück anspruchsvoller, der ganze Berg ist obendrein von Zick-Zack-Trails durchzogen, es ist gar nicht so einfach, den Weg zum Gipfel auf Anhieb zu finden! Der Ausblick ist wahrhaft atemberaubend, und der Downhill auf den sandigen Trails mit rauhem Fels (super-Grip!) eine Achterbahn für Fortgeschritene!

Die Königsklasse ist der knapp 1000 Meter über Kapstadt thronende Tafelberg. Ausser der Gondel gibt es hier keinen leichten Weg nach oben… Der bekannteste ist zweifellos Platteklip Gorge – der Canyon klafft einen knappen halben Kilometer links von der Seilbahn im Berg und einer der aberwitzigsten Wanderwege die ich je gesehen habe, führt in immer enger werdenden Serpentinen durch den sich verjüngenden Tunnel. An heissen Tagen steht die Luft und die Hitze bringt den sich nach oben arbeitenden Läufer an den Rand des Aufgebens. Doch die Blöße gibt er sich vor den hunderten schwitzenden und sich ausruhenden Touristen nicht, die er überholt… An kalten Tagen, wenn die „Tischdecke“ den Tafelberg bedeckt (so heisst die grosse fluffige Wolke, die häufig auf dem flachen Fels herumlungert), kann es in Platteklip zugehen wie in einem Windkanal, dann weht dem Emporkömmling ein eiskalter, rasender Wind, nein Sturm entgegen – wer es trotzdem bis oben schafft, muss einen eisernen Willen haben! Einmal auf dem Tafelberg beginnt der Spaß aber erst richtig! Wer genug Kraft in den Beinen und Essen und Trinken dabei hat, kann nun auf einen stundenlangen Slalom gehen, kreuz und quer, auf und ab… Beliebt ist auch die komplette Querung des Berges, mit Rückweg auf dem Contour Path, der am unteren Rand des Tafelberges durch dichte Laubwälder führt.

Überhaupt – Contour Path… es soll ja Tage geben, da ist man gar nicht scharf auf supersteile Rampen und meterhohe Felsbrockenstufen,… dann empfiehlt sich ein schneller Lauf unterhalb des Tafelbergs.. Die Schattenseite: Contour Path beginnt auch bei der Seilbahn und schlängelt sich dann am Devil’s Peak vorbei zur Ostseite des Berges. Dort beginnt dichter Dschungelartiger Wald und der abwechslungsreiche Weg führt mit kleinen Wellen durch viel Schatten, eine Seltenheit in Kapstadts Trails! Besonders amüsant, die langen Holzplankenpassagen! Die Sonnenseite und ein absoluter Gripmasterfavorit: Pipe Track. Auf der Westseite des Berges, startet er unmittelbar an der Strasse, die von Kapstadt über den Sattel nach Camps Bay führt. Immer zwischen Ozean und den 12 Aposteln, in der vollen Sonne, bedeckt mit feinem Sand und groben Steinen…für mich ist der Pipe Track der Inbegriff von Südafrika!

Wenn man das alles kennt, und die Schuhe noch Profil haben sollten, geht das Erkunden erst richtig los – Im Nationalpark des Kap der Guten Hoffnung gibt es kaum begangene Wanderwege, auf denen selbst hartgesottene Trailrunner eine Gänsehaut bekommen. Eine 40 Kilometer lange Runde voller Emotionen führt einen über Gras und roten Fels am indischen Ozean entlang bis vor zum Kap, und durch weisse Sanddünen an verrosteten Schiffswracks vorbei, zurück zum Start. Unnötig zu sagen, fast jeder Hügel, Berg oder Höhenzug zwischen Kapstadt und dem Kap ist von einem tollen Wegenetz durchzogen. Die meisten sind obendrein in sagenhaft gutem Zustand, nicht zwingend leicht zu laufen aber definitiv gut zu finden und mitunter auch gut markiert…

Die Wolken haben sich verzogen, der Lion’s Head ist wieder frei. Am Horizont verläuft blauer Himmel mit blauem Meer. Der Blick zurück vom Parkplatz am Signal Hill zum steil aufragenden Gipfel lässt nicht erahnen, was für abenteurliche Trails Kapstadts kleiner Fels bereithält. Gut gebrüllt, Löwe!















du rettest meinen tag
Awesome stuff! Look forward to running with you again in my backyard….
Die Bilder erwärmen den Blick ins kalte Weiß das draussen!
Welcher Gegensatz! Wir haben hier 1 m gesetzte Schneehöhe und morgens Temperaturen um -14°.
Gratulation zu den wunderschönen Bildern!
hier und im trailmag hast ja echt hammerbilder dabei!
was würde ich geben da unten rumhüpfen zu dürfen
Morgen,
Frankreich?
Ne, Ne, ich werde lieber trails in Norwegn laufen. Sind im
Sommer nur ca. 15 bis 25C° das ist meine Welt.
Laufe auch im Winter meine Trails bei -14C° solce temperaturen das ist meine Weld
Es gibt kein falsches Wetter nur falsche Kleidug oder?
Weiter so schöne Berichte und Fotos.
Gruß
Teuto-Läufer
Oh man, mal wieder einfach geile Bilder.
Und hier in M rennt man durch Schneematsch und Pfützen.
Der frische Schnee war ja echt geil, aber dieser halb getaute Mist,…
Naja, aber jetzt muss sich auch der Gripmaster wieder an “good old Germany” gewöhnen. Is sicher ein Klimaschock. Wenn man dauernd da war, konntem ansich wenigstens langsam dran gewöhnen..
(think positive)
Run to the hills…
Gruß
Fritz / Gunnar
PS:
Was macht der Film von der Königseeumrundung,… das is gemein,….
hei,
feiner bericht – wie gewohnt!
und die perfekte einstimmung für mich auf spanien. flieg am samstag 10 tage auf trainingslager. jippy! entkomm ich mal kurz dem kalten wetter in norwegen!
lg
Wahnsinn dieses Paradies für Trailrunner
ader herzerwärmend.
Jedenfalls mit diesem Report hast Du den Trail-Award
verdient.
Wer vergibt den eigentlich ?
Hey,
?? Leider allein auf den Tafelberg gelaufen, das nächste Mal gerne im Team!
wo wart ihr, als ich euch letztes Jahr gesucht habe
WOW!!! Starke Bilder!!! Da kribbelt´s gleich in den Beinen und das Reisefieber packt einen